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flamencoschule in granada von oben

Ein wenig anstrengen muss man sich schon, wenn man dorthin gelangen will. In Granada, vorbei an der Kirche Santa Ana dann links hoch- weißgetünchte Häusern recken sich empor, vorbei an blühenden Gärten, am Institut für Arabisch, eine ganze Weile geht es steinige Stufen empor, da führt der Weg zum Albayzín und zur Straße nach Sacromonte - und zur Escuela Carmen de las Cuevas. Man schwitzt, wenn man oben ankommt, aber es ginge auch einfacher, indem man mit dem Bus hochfährt. Die dunkle schwere Holztüre ist immer geschlossen, nur das Schild über der Türe verrät, dass man hier richtig ist. Man muss klingeln und in die Sprechanlage sagen, wer man ist, dann summt es und man braucht viel Kraft um die Türe aufzuschieben. Und dann steht man im kühlen, schattigen Patio der Cueva, der Fliesenboden ist noch ein wenig nass vom Gießen der Palmen und des Oleanders und ist erst mal überwältigt von der Atmosphäre und der Größe der Cueva, die sich hinter der Eingangtüre versteckt.

in der flamencoschule

Cuevas - die Höhlen der Gitanos

Wer in der Escuela Carmen de las Cuevas einen Kurs macht, ist im Herzen der Flamencowelt angekommen. Cuevas sind Höhlen, die in Felsen geschlagen wurden und in der die Gitanos lebten. Der Sacromonte ist das Gitano-Viertel in Granada, in der sich eine Cueva an die andere reiht. Die Legende erzählt, als die Mauren von den Christen aus Granada vertrieben wurden, hätten sie ihre Schätze im Sacromonte versteckt. Die freigelassenen Sklaven hätten danach gesucht und deshalb in die Berge Löcher geschlagen. Die Schätze hätten sie nicht gefunden, aber dafür haben sie eine Wohnmöglichkeit gehabt. Heute nennt man diese Gegend im Sacromonte Barrancos de los Negros.  Die Escuela Carmen de Flamenco ist nicht direkt im Sacromonte, sie ist gegenüber dem Albayzín und wenn man die Straße weiter geht gelangt man zur Straße zum Sacromonte. Dennoch sind auch hier schon Höhlen in die Felsen geschlagen.

 

Spanisch und Flamenco bei Escuela Carmen de las Cuevas

Die Escuela gibt es seit 1984 und sie gilt als eine der wichtigsten und besten Schulen für Spanisch und Flamenco in Granada. Für Spanisch ist sie akredditiert als Institut Cervantes. Die Kurse, sowohl für Spanisch als auch für Flamenco (Gesang, Gitarre, Rhythmus und Tanz), kann man als Gruppen oder Einzelpersonen in unterschiedlichen Levels, von Anfänger bis weit Fortgeschrittene,  und für unterschiedliche Zeiten buchen. So kann man eine Woche Intensivkurs oder ein ganzes Trimester buchen.

sonnenterrasse flamencoschule granada 

Das besonderes Ambiente der Escuela

linda im uebungsraumDie gesamte Cueva  ist ziemlich groß und derart entzückend, dass einen hier bereits das Flamenco Flair einhüllt, sobald man durch die große schwere Holztüre schreitet. Dann steht man mitten im Innenhof, der mit Wein wie ein Dach über den kleinen Hof gewachsen ist, man kann entweder die Treppen hoch zu den Terrassen, zum Büro oder zu den Räumen für die Sprachkurse gehen. Direkt neben dem Eingang, die Tür links führt in die Bibliothek. Gerade aus gelangt man zu den Tanzräumen. Schon im Hof sind die stakkatoartigen Schritte, angefeuert von der Lehrerin, die Kommandos dazu ruft, Palmas oder Gesang und Gitarrentöne zu hören. In der Cueva empfängt einen ein romantischer Platz mit offenem Kamin. Mehrere Kursräume mit Spiegeln, Licht, Klimaanlage und Tanzboden  gehen vom Eingangsbereich ab und stehen auch außerhalb der Kurszeiten zum Üben zur Verfügung. Es gibt eine Dusche und in der Gardarobe ist ein ganzes Regal auf dem  sehr gebrauchte, spendierte Schuhe in allen möglichen Größen stehen. Man kann sich einfach bedienen und  ein Paar für den Kurs aussuchen und ausleihen. Wer also ohne Ausrüstung zum Sprachkurs kommt und spontan Flamenco lernen will, kann sich hier die Ausrüstung leihen.  Von den Terrassen aus hat man einen phantastischen Blick auf die Alhambra oder auf San Nicolas. Oft sitzen hier auch die Estudiantes der Sprachkurse und machen ihre Hausaufgaben, die Tänzerinnen verschnaufen zwischen den Kursen im schattigen Plätzchen.  Eigentlich würde man am liebsten hier wohnen.
Bevor der Kurs beginnt, bekommt man eine Einführung in alles Wissenswerte über die Schule.

Als Estudiante der Escuela hat man Vorteile

ausweis estudianteAls Estudiante der Carmen de las Cuevas erhält man einen Studentenausweis, mit dem man Vergünstigungen bei Flamencoshows und vielen Sehenswürdigkeiten bekommt. Die Schule bietet außerdem Spanischkurse an und vermittelt Wohnmöglichkeiten in der Nähe. Es gibt eine „Notfallnummer“  der Schule, wenn man irgendwo in Granada steckt und Hilfe braucht, auch außerhalb der Bürozeiten. Für einige Espectaculos kann man hier die Karten vergünstigt kaufen, oder sich für besondere Shows, wie zum Beispiel im Generalfe, anmelden. Es werden auch Gruppenausflüge organisiert, zu denen man sich anmelden kann. Man hat in(!) der Höhle WiFI und kann außerhalb des Unterrichts auf einer der schönen Terrassen sitzen, die Bibliothek, oder den Computerraum nutzen. Und außerdem gibt es noch einen Automaten mit Getränken und Süßigkeiten. Im Büro im ersten Stock sitzt zu Kurszeiten immer jemand und gibt Auskunft auch in Englisch und äußerst geduldig, wenn man Spanisch anwenden will. Außerdem kann man im Officina auch Flamencoröcke, Schuhe, Literatur, Haarschmuck, oder T-Shirts kaufen. Es herrscht den ganzen Tag quirliges Treiben in der Cueva, immer wieder hockt mal jemand da und übt auf seiner Gitarre, oder man trifft sich auf der Terrase auf einen Plausch.

 

Professionelle Organisation

flamenco zertifikat mit Leonor LealAnmelden kann man sich über die Website unter http://www.carmencuevas.com/es/7-espanol. Die Seite ist zwar auf Spanisch, aber es plobbt ein Fenster auf, in dem man in seiner eignen Sprache gefragt wird, wie geholfen werden soll. Man erhält kurze Zeit später eine Antwort, vorwiegend auf Englisch. Die Kurse sind zeitlich sehr gut organisiert, man kann beispielsweise einen Flamencokurs machen und danach in den Spanischkurs gehen. Es gibt Technik und Choreographiekurse für Flamencotanz und es kommen Live-Musiker zum Ende der Stunde dazu und begleiten mit Cante und Gitarre. In der letzten Stunde erhält man ein Teilnahmezertifikat. Namhafte Lehrerinnen und Lehrer, wie beispielsweise Leonor Leal oder Christina Aguiliera (die Flamencotänzerin) unterrichten dort und das Programm wechselt immer wieder. Es ist ein schöner Ort, hier pulsiert der Flamenco. Wer Granada besucht, sollte hier auf jeden Fall vorbeischauen.

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