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tapas mit sardellen

König Alfonso wäre beinahe von einer Kutsche über den Haufen gefahren worden, weil der Kutscher betrunken war. Die Kutscher haben immer, sei es zur Gastfreundschaft, oder als Bezahlung, oder wegen dem Durst in der Hitze, Wein, Sherry oder Bier bekommen. So hat König Alfonso erlassen, dass zu jedem alkoholischen Getränk auf das Glas eine Scheibe Brot als Deckel gelegt wird, damit man zum Alkohol etwas isst und nicht so schnell betrunken wird. Außerdem ist der Deckel recht praktisch, weil so keine Fliegen oder Bienen im Getränk ertrinken.

Tapas als Marketinginstrument

tapas mit scampi und olivenDie geschäftstüchtigen Wirte haben daraus natürlich ein Marketinginstrument gemacht. Mit ihren Tapas haben sie gegenseitig konkurriert, indem sie statt nur einer einfachen Brotscheibe, die Brotscheibe belegt haben oder andere Leckerbissen als Häppchen gereicht haben. In Andalusien bekommt man heute noch überall zu einem alkoholischen Getränk ein „Tapas“ serviert. Kostet nichts extra, ist im Preis vom Getränk enthalten. In Jerez ist das meist ein Schälchen Oliven und Brot. Tapas isst man aber auch als Abendessen. Statt einem riesen Teller mit Braten oder Gulasch, bestellt man sich mehrere verschiedene Tapas. Wir bestellen immer vier Tapas und wie bei Spaniern üblich, werden sie in die Mitte des Tisches gestellt, gemeinsam gegessen und wir werden zweit davon satt. Egal mit wieviel Personen man da sitzt, in Spanien wird alles in die Mitte gestellt und jeder isst mit. Auch das Zahlen ist hier unkompliziert.

Alle essen - alle zahlen

Man würde hier niemals dem Kellner zumuten alles getrennt auszurechen und von jedem extra zu kassieren. Man mutet auch nicht den anderen Gästen wegen aufwändiger Zahlverfahren Wartezeit zu. Ebenso wird nicht der Kellner großmütig belehrt, in dem man sagt: „Machen sie 8,50“, wenn er sagt, dass es 8 Euro kostet. Der Kellner legt die Rechnung in ein Schälchen und einer am Tisch legt das Geld dazu. Entweder passend einschließlich Trinkgeld und man geht, oder man wartet das Rückgeld ab und lässt dann das Trinkgeld bei der Rechnung liegen. Anschließend wird die gesamte Rechnung durch alle Mitesser aufgeteilt. Nicht in „Ich hatte ein Wasser und ein halbes Schälchen und eine Scheibe Brot“, sondern jeder zahlt den gleichen Teil. Eine gerechte Verteilung der Kosten- das sichert auch eine gerechte Verteilung des Essens.

Köstlichkeit aus fritierten Fischen

In Sevilla hat Alfonso eine Köstlichkeit bestellt, Chanquete. Das sind kleine fritierte Fische, mit gekochten Eiern und Paprika, die man mit Ketchup und Majonaise vermischt. Dann legt man es auf das Brot oder die kleinen anadlusischen Gebäckstangen, und isst es mit einem Haps.

Was ist mit Pan con Alioli?

Nur Pan con Alioli, das köstliche Knoblauchbrot, gibt’s hier nirgends. Zwei Mal habe ich beim Tapasbestellen nachgefragt, worauf mich der Kellner merkwürdig angesehen hat. Mein Mann hat dann gemeint, ich würde das halt falsch aussprechen und holt gleich sein I- Phone heraus um es von der Google- Übersetzer- Stimme vorsagen zu lassen. Ich habe es mir aber von unserem Lieblingsspanier in Aichach richtig beibringen lassen und die Übersetzerstimme bestätigt mich. Dann, meint mein Mann, ist das eben nicht typisch andalusisch. Ich sage, dass ich dazu sogar ein original andalusisches Rezept habe! Nachdem er aus der Werbung ist, behauptet er, was in den Kochbüchern steht muss ja noch lange nicht authentisch sein. Auch nicht in andalusischen Kochbüchern, das ist halt Marketing. Wir geraten fast in Streit darüber, ob mein andalusisches Kochbuch aus dem Jahre in dem er geboren ist wohl falsch sein kann. Ich sage, dass ich haargenau weiß, was darin steht: Alioli, wird oft Ajioli geschrieben und kommt vom Ajol y Olio. Ajol ist der Knoblauch, Olio das Öl. (Olivenöl heißt Aceito, und wird dazu verwendet). Trotzdem wird hier das „j“ nicht als „ch“ gesprochen, man sagt einfach „Alioli“ und oft wird es auch so geschrieben. Ich sage meinem Mann, dass es in Granada sogar ganz oft als Tapas serviert wurde. "Stimmt" sagt er und damit ist Ruhe. Wir einigen uns darauf, dass es hier in Jerez wohl unüblich ist. Später stellen wir fest, dass der Kellner kein Spanisch kann, weil er aus Rumänien ist und nur das versteht, was in der Karte steht.

Maßeinheit Tapas

In Granada sind sie bezüglich der Tapas, die es zum Getränk dazu gibt, einfallsreicher als in Cadíz oder Jerez. Dort wechseln die Tapas sogar täglich. Beispielsweise gibt es einmal ein Schälchen Albóndigas, ein ander Mal Gambas, Jamón oder eben Pan con Alioli.

Tapas ist schon soetwas wie eine Maßeinheit für Portionengröße. Es gibt Tapas, eine halbe Ración, oder eine Ración. Bestellt man z.B: Queso als Tapas werden in den meisten Bars in Jerez 8 Käseecken serviert. Wir haben schon als grundlegende Tapas die Tortilla. Ich glaube die beste Tortilla gibts in Jerez im Guitarrón. Typisches Tapas ist hier in Jerez auch  „Ensaladilla“. Das ist ein köstlicher Kartoffelsalat mit Majonaise und Gambas in der Menge wie man es in Deutschland als extra Portion bekommt. Ich beschließe, dass es nächstes Weihnachten statt Kartoffelsalat und Bratwürsten Ensaladilla und Tortilla gibt. Seit der Grazalema- Katastrophe ist sowieso klar, dass Fleisch und Wurst nicht mehr zu unserem Speiseplan gehört. In Spanien werden die Stiere als heilige Kühe gepflegt und dann einer Tortur ausgesetzt, bevor sie sterben. In Deutschland werden die (S)Tiere in Massentierhaltung ihr Leben lang einer Tortur ausgesetzt, bekommen Hormone zugesetzt, dafür die Hörner abgeschnitten und werden vielleicht etwas weniger qualvoll geschlachtet. In Spanien allerdings taugen nicht alle Stiere zum Kampf, aber stehen trotzdem auf der Weide. Das lässt den Schluss zu, dass die Rinder in Spanien ein glückliches Leben führen, und die meisten sogar ohne Stierkampf geschlachtet werden. Wir bestellen Jamón und Chorizo dazu und mein Mann meint, Tortilla mit Ensaladilla an Weihnachten zu essen ist eine glänzende Idee. Am besten in Spanien.

Kommentare  

# Flamenco-Jonas 2016-03-19 21:44
Ah .... jetzt bin ich schon wieder schlauer geworden. Mal sehen, wie lange ich mir das alles merken kann :lol:
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# Sigrid 2016-03-20 10:51
..oder Du schaust einfach öfter vorbei und liest es nochmal
;-)
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